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Im Jagdrevier - durchs Jahr gepirscht

Gedanklicher Pirschgang im August

Zerstörerisch gellt das Klingeln des Telefons durch den Raum. Unbarmherzig, ring, ring, immer wieder.
Es ist Ihnen, lieber Leser, gewiss auch schon aufgefallen, wie unterschiedlich ein und das selbe Telefon klingeln kann: ring, ring, erleichternd und befreiend, wenn ein lange ersehnter Anruf endlich kommt, ring, ring, gespannt, wenn Langeweile einen quält, ring, ring, traurig, wenn man schlechte Nachrichten erwartet.
Diesmal klingt es eindeutig destruktiv. Ring, ring, der Familienfrieden ist in Gefahr!
Aus diesem Grunde ignoriere ich hartnäckig diesen Störenfried und widme mich, hochkonzentriert meiner geplanten Verwandlung in einen kulturinteressierten und ebenso gekleideten Festspielhausbesucher. Und das ist gar nicht so leicht. Aber zwingend notwendig, denn bereits vor einiger Zeit hatte ich nach längerer Verhandlung dem Wunsch meiner Frau nachgegeben, gemeinsam den "Bolero" zu besuchen. Erschwerend kam hinzu, dass wir dies zusammen mit auswärtigen Freunden erleben wollten, die extra und nur aus diesem Grunde angereist waren.
Ring, ring, tönt es weiter, während ich verbissen um die kunstvolle Schlingung des Kulturstrickes an meinem Hals bemüht bin. Da plötzlich: Stille. Verdächtige Stille! In dunkler Vorahnung lausche ich nach unten und richtig, am Gemurmel erkenne ich: Der Anrufer hatte nicht etwa aufgegeben. Nein, meine Frau hatte sich erbarmt und den hartnäckigen Anruf entgegen genommen. Schon kommt sie die Treppe herauf und als sie mir den Hörer reicht, blitzen ihre Augen gefährlich. Sie sagt nur "Martin". Damit ist alles gesagt. Und richtig: Noch ehe ich mich melden kann, kommt mir ein Schwall von Bitten und Flehen aus dem Hörer entgegen, dem ich nun nicht mehr entgehen kann. Nur eine kurze Totsuche auf eine Sau, die jetzt im heißen Sommer doch so schnell verhitzt. Das müsste doch noch drin sein. Also gut, schon ziert wieder derbes Grün die Hosenbeine, erleichternd luftig ists um den Hals. Die allgemeine Überraschung ausnutzend huschen Herr und Hund mit einem " ich bin sofort zurück, versprochen" aus der Haustüre und rauschen ab, so dass wir bald am Anschuss stehen. Der liegt auf einer kleinen Schneise, genau vor einem mächtigen Granitbrocken. Rechts und links schließt sich eine bürstendicke Dickung an. Die einzelne Sau ist auf den Schuss hin dort eingewechselt. Leberschweiß, schon lange genug her, Aika nimmt die Nase hoch, das haben wir gleich. Es ist wirklich unerträglich schwül, kaum auszuhalten. Trotz des kurzen Fluchtweges stehen wir bald schweißnass geschwitzt vor einem Überläuferbächlein. Martin ist glücklich, Aika hochmotiviert und ich zufrieden, weil ich es jetzt tatsächlich noch schaffe, pünktlich die kulturelle Bitte meiner Frau zu erfüllen. Aber Aika will nicht. Offensichtlich war ihr die Suche zu kurz. Übermotiviert faselt sie in der Dickung umher, verweist scheinbar Wichtiges und macht keinerlei Anstalten, mir folgen zu wollen. Meine zornigen Kommandos ignoriert sie hartnäckig. Oh Hund, wir habens doch so eilig! Notgedrungen arbeite ich mich also zu dem
 Hund vor; dann zeig halt...; und finds: Schweiß! Grünlich. Gescheide. Wie kann das sein? Martin kann sich's auch nicht erklären. Die intensive Kontrolle jedoch ergibt schnell: Seine Kugel hatte die Sau auf der Schneise etwas weich durchschlagen, war auf dem großen Stein rechtwinklig in die Dickung gefahren und hatte dort ein weiteres Stück getroffen! 
"Guter Hund", leiste ich Abbitte. Aber wir haben keine Wahl: Der Sau müssen wir nachgehen! Zu allem Überfluss entlädt sich in diesem Moment ein herzhaftes Gewitter über uns, welches irgend wie ganz gut zu der Situation passt: Denn als ich kleinlaut zu Hause melde: "geht nur schon mal vor, ich komme schnellstmöglich nach", da habe ich nicht den Eindruck, dass mein Vorhaben am anderen Ende der Leitung auf großes Verständnis trifft. Das Gespräch ist schnell zu Ende. Sofort hängen wir uns an die Fährte und folgen der Sau in die Dunkelheit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch diese Sau zwischenzeitlich verendet ist. Immer wieder Gescheidebröckchen und reichlich Schweiß lassen eine gute Kontrolle zu und der Hund kommt mühelos voran. Leider bremst uns das überaus schwere Gelände, ein blocküberlagerter Hang, der dicht bewaldet ist. Obwohl die Sau immer der Höhenlinie entlang gezogen ist, dauert es über eine Stunde, ehe wir am Stück sind. Ein Überläuferbächlein ist in der Fährte verendet zusammengebrochen.
Erschöpft halten wir dem Stück die Totenwacht. Immer wieder spielen wir die Situation durch, die so überraschend aus einer einzelnen Sau plötzlich zwei gemacht hat. Eine deutlichere Mahnung, auf sicheren Kugelfang zu achten und den Anschuss genau zu kontrollieren gibt es wohl nicht.
Gemeinsam versorgen wir die Sauen, was nicht nur unsere ganze Kraft, sondern auch unmöglich viel Zeit in Anspruch nimmt, denn vor allem die Zweite Sau ist äußerst schwierig zu bergen.
Die Geisterstunde ist längst vorbei als ich den Freund bitte, mich nach Hause zu begleiten, auf ein Bier, und den fälligen Anschiss mit mir zu teilen.
So stehen wir also vor der Türe: Kleinlaut, nass, besudelt, wie zwei arme Sünder. Doch was uns entgegen schlägt ist helle Begeisterung: Gut, dass euch nichts passiert ist!
Man hatte den "Bolero" gesehen, lecker zu Abend gespeist und der ursprüngliche Ärger über mein Ausbleiben war bald der Sorge gewichen, ob wir wohl heil heim kommen würden.
Mit der erfrischenden Dusche fällt auch unsere Anspannung ab und wir sitzen noch lange zusammen, berichten uns gegenseitig das Erlebte und sind bester Stimmung.
Als am nächsten Morgen, etwas verkatert, unser Besuch abreist, drückt mir mein Weiblein verschmitzt lächelnd ein Büchlein in die Hand. Überrascht lese ich die Überschrift: "Festspielhaus-Jahresprogramm". Darunter ist handschriftlich mit zierlicher Schrift notiert: "Am Veranstaltungstage bleibt das Telefon abgeschaltet!"
Die Botschaft ist angekommen, ich lächle zurück....


Fotopirsch im August

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  ^ Dienstag 17. Oktober 2017,   KW 42,   TdJ 290     © 2000 - 2017 Jagdweb.at ^