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Im Jagdrevier - durchs Jahr gepirscht

Gedanklicher Pirschgang im Feber

Das Neuhaus

Stetig ansteigend windet sich der schmale Waldweg durch das enge Tal. An seine rechte Seite schmiegt sich der rauschende Grobbach, der jeder Biegung des Weges strikt folgt. Hin und wieder bietet eine steinerne Brücke eine Übergangsmöglichkeit zur anderen Bachseite.
Nach über einer Stunde Gehzeit öffnet sich der dunkle Tannen-Altholz-Bestand und macht einer großen und vor allem langen Waldwiese Platz, die nach rechts schräg abfällt. Der Bach verlässt hier die Straße und folgt nun der Waldkante, während der Weg mitten in die Wiese führt.
An dieser Stelle übersteigt man eine Geländekuppe, die einen wundervollen Blick über das weite Wiesental freigibt. Das Auge streicht an der idyllischen Waldkante entlang. Die starken Arme der mächtigen Tannen tragen große Schneelasten. Alles ist tief verschneit. Die völlige Stille nimmt den Betrachter gefangen. Nur der Bach murmelt in der Ferne. Der Blick gleitet hinaus über die weiße Schneefläche, den Verlauf des zugeschneiten Weges ahnend, und fängt sich schließlich in dem malerischen Gehöft, welches sich dort in die Landschaft duckt.
Das Neuhaus.
Die Kinder rennen, was das Zeug hält. Der Schnee staubt. Jeder will der Erste sein, der an der schweren Holztüre des Fachwerkhauses anschlägt. Direkt neben dem Eingang steht ein riesiger Holzbrunnen, der endlos vor sich hin plätschert. Sein Wasser ist selbst im Hochsommer eiskalt, aber nach dem anstrengenden Anstieg ungemein erfrischend. Während die Eltern langsam näher kommen, flitzen die Kinder zum hinteren Teil des Gebäudes, einem Heuschober. Der Hund ist längst vorausgesprungen, durch eine extra dafür vorgesehene Klappe eingeschlieft und begeistert auf Mäusejagd, als die Kinder die Türe aufstoßen und jubelnd herein stürmen. Wie herrlich ist es, ins Dachgebälk zu klettern und von dort aus hinunter ins duftende Heu zu springen!
Einige Zeit später gellt ein Pfiff über das Tal. Das Signal für alle, dass die Atzung bereit steht.
Vater hat zwischenzeitlich den mächtigen Holzofen angefeuert, das Gaslicht in Gang gebracht und die Fensterschläge geöffnet, während Mutter eine köstliche Erbsensuppe mit Brot gezaubert hat, die nun dampfend auf der rotkarierten Tischdecke steht. Alles stürmt herein, mit Heißhunger werden eilig die Töpfe geleert, denn die Kinder fiebern schon wieder ihren Erkundungstouren entgegen. 
Noch ist es kalt in dem kleinen Raum, der so herrlich nach Urlaub riecht, aber schon macht sich die heimelige Atmosphäre breit. Die niedrigen Holzdecken, die derben Bodendielen, das knisternde Feuer, und im flackernden Schein der Gaslichter die alten Trophäen an der Wand. Im hinteren Teil befinden sich zwei winzige Zimmerchen,

   in denen die Betten stehen, geschickt vor der Wand des dämmenden Heuschobers platziert. Die kleinen Fensterchen lassen nur wenig Licht durch ihre krummen Fensterscheiben, aber sie bieten einen grandiosen Ausblick auf die malerische Winterwaldkulisse.
Unter dem Haus, dort, wo man normalerweise den Keller erwarten würde, findet sich der Kuhstall. Jetzt, mitten im Winter sind die Schwarzweißen leider nicht da. Im Herbst noch konnte man es nachts genießen, vom Bett aus den Stallgeräuschen zu lauschen. Nebenbei strahlten die Rinder eine Wärme ab, wie eine Bio-Fußbodenheizung.
Mit bedächtigen Schritten steigt der Vater schließlich hinauf an die Waldkante. Der Hund folgt ihm auf der Fährte, die er durch den unberührten Schnee zieht. Nach wenigen Schritten im Bestandsinnern erreicht er die Rotwildfütterung, die wie immer gut besucht ist. Er legt ein paar Rüben aus, füllt das Heu in den Raufen auf und kehrt zurück zum Haus. Am Abend wird er mit dem Sohn draußen auf dem Dach der Scheune sitzen, in das ein witziger Hochsitz integriert ist. Wie an der Perlenschnur werden sie dann wieder vorbei ziehen. Tiere, Kälber, vielleicht der eine oder andere Hirsch. Kaum sind sie weg, werden sich die stillen Beobachter wieder heimlich ins Haus schleichen, bebend der Mutter vom Erlebten berichten und dann schnell ins Bett schliefen. Es duftet nach Wald, nach Feuer, nach Heu, und nach Kuhstall. Im wegdämmern hört man noch leise in der Scheune den Hund rascheln, der seine Aufgabe als Mäusejäger ernst zu nehmen scheint und damit ungeahnt zum Teil des spannenden Geräuscherlebens wird. Dann packt einen der tiefe Schlaf, der bis zum Morgendämmern dauert, wenn die Abenteuerlust alle wieder hinaus treibt. 
Ich stehe auf der Kuppe, von der man so herrlich übers Tal schauen kann. Wie früher blicke ich hinunter auf das niedrige Häuschen, das noch immer so malerisch in der Landschaft liegt. Der Weg zum Haus ist nun breit geräumt, bequem zu gehen oder sogar mit dem Auto gut zu erreichen. Dennoch spare ich mir den Weg hinunter. Ein Luxushotel hat das Haus übernommen und bewirtet dort wohlhabende Städter, die einen Hauch romantischen Hüttenzauber erleben wollen.
Das Neuhaus, mein Jäger-Jugendparadies, gibt es nicht mehr. Der Kuhstall ist nun Kühllager, der Heuschober bildet die Kulisse für das abendliche "Event-Essen". "Bitte nicht anfassen".
Ich steige hinauf zur alten Fütterung. Lange schon wurde sie nicht mehr beschickt. Das ist auch nicht notwendig. Rotwild gibt es hier schon lange nicht mehr. 
Schnell wende ich mich ab und strebe mit ausholenden Schritten talwärts. Wenn ich heim komme, werde ich mir eine deftige Erbsensuppe kochen.


Fotopirsch im Feber


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  ^ Mittwoch 18. Oktober 2017,   KW 42,   TdJ 291     © 2000 - 2017 Jagdweb.at ^