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Im Jagdrevier - durchs Jahr gepirscht

Gedanklicher Pirschgang im Jänner

Knirschend ächzt der Schnee unter schweren Bergstiefeln, die eine löchrige Spur in der unberührten Landschaft hinter sich herziehen. Die Last auf den Schultern des Jägers ist schwer. Endlich erreiche ich die tief verschneite Bank, von der aus ein herrlicher Blick über weite Hänge hinaus bis tief ins Tal gelenkt wird. Mit dem Bergschuh schiebe ich ein Loch in den Schnee, werfe die Lodenkotze darüber, werfe die Rückentrage ab und lasse mich in die so entstandene, bequeme Kuhle fallen. Der Hund rutscht sofort ganz selbstverständlich zu mir. Kurz sichert er in die Runde, dann nimmt er seine Ruheposition ein und entspannt zufrieden.
Seine Gedanken mögen weiss Gott wo sein. Meine Gedanken fließen zurück in die gute "Alte Zeit". Lieber Himmel, wie lange ist es her, als ich mit dem Jagen begann. Wie anders wurde damals gejagt! Sofort fällt mir mein Lehrherr ein, dieser damals schon alte Förster. Wie zu seiner Zeit üblich, hatte natürlich auch er einen langen Rauschebart um sein wettergegerbtes Gesicht, in dem fast permanent eine abgekaute Pfeife steckte. Er war etwas untersetzt, von zäher, kräftiger Natur, und seine freundlichen Mausäuglein huschten aufmerksam hin und her.
Bewaffnet war er mit einem alten, rostnarbigen Drilling, der fette Bleibatzen auf die Reise schickte und auf dem ein genauso zierliches wie trübes Zielglas thronte. Seine speckige, abgewetzte Jagdkleidung, die er sommers wie winters trug, wies den typischen, firmen Jäger aus.
Auch sein Hund war ein rauer Geselle. Ein fetter, untersetzter Wachtel, mit stumpfem Fell, dem es aber ebenso wenig an Erfahrung mangelte, wie seinem Herren. Er horchte mal mehr und mal weniger, aber wehe, es war Wild in der Nähe, dann wurde er zum unberechenbaren Raubtier, das bestenfalls vom Förster zu beherrschen war, und das bedurfte einigen Mutes.
Natürlich kannte er jede Ecke seines Reviers, in dem er zu Hause war. Endlose Pirschgänge hatten ihn wiederholt in die geheimsten Winkel und Ecken geführt. Sein Wild nannte er liebevoll beim Namen, denn er kannte die meisten Stücke.
Wenn er aber eines schoss, dann ging er nicht zimperlich zu Werke. Hatte die grobe Kugel ihre Arbeit getan, dann wurde nur kurz das Gescheide ausgeworfen, Kammer und Schloss blieben verschlossen, das Stück wanderte in den Rucksack, der irgend wo sicher in einen Baum gehängt wurde, bis es am Abend auf den Heimweg ging. Dieser führte natürlich an der Dorfkneipe vorbei, wo er sich aufwärmte und schon und noch lange die Kollegen saßen. Verwertet wurde alles, schließlich war das Bringen von Wild ein hartes Stück Arbeit gewesen. Und Abnehmer gab es reichlich, sie rissen ihm das gute Fleisch, meist noch in der Wirtschaft, förmlich aus den Händen. Der Förster war ein angesehener Mann und fast so wichtig wie der Bürgermeister und der Pfarrer.
Wie gesagt, das ist lange her. Neulich auf der Drückjagd konnte man schön sehen, wies heute zugeht auf der Jagd:
   Modernste Geländewagen versammeln sich, spucken gutgekleidete Jägersleut aus, die topmoderne Waffen und elektronische Helferlein bei sich tragen. Selbst die Hunde strahlen, gut gepflegt und ebenso elektronisch bestückt um die Wette. Gelaufen wird nicht viel. Der Diesel wird unter dem winddichten Hochstuhl geparkt. Nachsuchen gibt's kaum, denn die modernen, bleifreien Hochleistungsgeschosse wirken zuverlässig. Sofort nach der Erlegung sammeln "kundige Personen" das Wild ein, bringen es zum gekachelten Aufbrechraum, wo es unter Aufsicht von Veterinären auf alle möglichen Krankheiten, Strahlungen oder sonstigen Auffälligkeiten untersucht und dann hygienisch einwandfrei sofort zerwirkt und eingetütet wird. Der Verbraucher will es so, man ist froh um jedes Stückchen Fleisch, das an den Mann gebracht wird, Verwendung finden ohnehin nur die "edlen Teile". Nach der Jagd versammelt man sich noch kurz beim Wirt. Aber nicht lang, weil man ja noch Termine hat. Alkohol wird nicht getrunken, weil man ja noch fahren muss. Nur kurz bleibt Zeit, von der guten alten Zeit zu schwärmen, in der es ja noch besser war.  Gute alte Zeit? Nostalgie? Schauen wir uns unseren Förster einmal genauer an:
Er wusste nichts von den modernen Hochleistungsgeschossen. Seine Bleibatzen verschoss er, weil's halt nix anderes gab. Gerne hätte er ein kristallklares variables Zielglas genutzt, aber das war noch nicht erfunden. Ob er gerne in seiner abgewetzten Lederhose gefroren hat? Wohl kaum. Aber auch das Wort Mikrofaser gab es damals noch nicht. Anti-Aging-Chreme hätte ihm vermutlich ebenfalls nicht geholfen. Denn Frost und Hitze fraßen sich in seine Haut.
Da er alles zu Fuß erledigte, war er gezwungen, seine Lasten selbst zu tragen. Man kann sich vorstellen, dass das Stunden dauerte. Sein Tag war sehr lang. Wild war deshalb so begehrt, weil die Leute Hunger hatten und nicht verwöhnt waren, was die Qualität des Fleisches angeht. Aus des alten Försters Sicht sieht die heutige "Schöne neue Zeit" recht rosig aus: 
Kein mühsames Tragen, keine langen Fußmärsche, das Auto nimmt einem die Arbeit ab. Moderne Kleidung hält sicher warm und der Wohlstand erlaubt es sogar, dem Hund eine ausgewogene, hochwertige Futtermischung zur Verfügung zu stellen.
Die Wildbretqualität ist Spitzenklasse. 
So hat eben jede Zeit ihr Gutes und ihr Schlechtes, denke ich. Aus der Ferne mag es beeindrucken, aus der Nähe gibt es viele Fragen. Machen wir also das Beste aus der Zeit und stellen wir uns den aktuellen Herausforderungen. Und zwischendurch bleibt uns ja unbenommen, trotzdem nach alter Väter Sitte durch den Schnee zu stapfen und dem Wild die eine oder andere Gabe zu bringen, ohne den Allrad zu nutzen. Mühsam krabble ich aus meiner Schneekuhle, schultere die Rückentrage und stapfe weiter aufwärts, der Fütterung entgegen. Ich genieße es, zwischen den Zeiten zu wandeln.


Fotopirsch im Jänner


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  ^ Mittwoch 18. Oktober 2017,   KW 42,   TdJ 291     © 2000 - 2017 Jagdweb.at ^