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Im Jagdrevier - durchs Jahr gepirscht

Gedanklicher Pirschgang im Juli

  
Man schrieb das Jahr 1997. Die Jagd war schon damals nicht mehr das, "was sie einmal gewesen war". Die Reviere waren klein und ob der schwierigen Topographie zerstückelt und ineinander verzahnt. Irgend ein Schlauer hatte die Losung ausgegeben, man solle "Hegegemeinschaften" bilden. Man fand, das war modern und modern war gut. Aber die alten Zeiten kamen nicht zurück. Die Flächen waren zugewachsen, man kam nicht ans Wild und Wildschaden gab es trotzdem.
So hockten sie also beisammen in der kleinen Waldgaststätte, die Jagdpächter mit ihren Aufsehern um abzusprechen, wie man es besser machen könnte.
Schauen wir sie uns einmal an, wie sie da so um den Stammtisch herum tagen. Namen und Personen sind erfunden, und doch könnte es genau so gewesen sein:
Da ist zunächst der gewitzte Forstwirt Karlheinz Moser, Aufseher in der Gemeindejagd. Im besten Alter ist er, jagdlich erfahren und - beruflich bedingt - immer informiert, was im Wald wo geht. Sein Gesicht hart und wettergegerbt, aber sein Herz weich, denn er hegt sein Wild lieber als er es schießt.
Das missfällt natürlich seinem und des Forstamts Chef, Toni Dietz, direkt rechts neben seinem Mitarbeiter sitzend. Sein schneller Finger ist legendär und sein jagdlicher Erfolg ihm nicht abzusprechen, wenngleich er dem Schicksal bei der Standverlosung auf Drückjagden auch regelmäßig selbst unter die Arme greift, indem er sich rechtzeitig die besten Stände sichert, diese großzügig freischneiden lässt und die Treiben entsprechende dirigiert. Nichts hasst er mehr, als den Erfolg anderer.
Daneben, Anton Volz, Pächter des östlichen Reviers, das immer ein wenig im Schatten liegt. Auch er ist als Unternehmer erfolgverwöhnt und schielt sehnsüchtig hinüber zu Gemeindejagd, wenn in den sonnenbeschienen Hängen frühmorgens das Rehwild die Decke wärmt. Er lächelt gern politisch freundlich, als eifriger Jäger sucht er jedoch jede Gelegenheit um Beute zu machen. Dabei unterstützt ihn, neben ihm am Tisch, Martin Klein, sein Aufseher. Der ist wirklich nicht sehr groß, seine beiden scharfen Terrier passen zu ihm. Immer wieselflink, listig und hochmotiviert. Leider macht seine, nach dem Genuss von reichlich Gerstensaft lose Zunge, manche jagdliche List zunichte.
Fehlen noch zwei in der Runde: Der Wirt selbst, Wolfgang Bischof, Pächter des Westreviers, welches über einige Fernwechsel verfügt und so scheinbar schier unerschöpfliche Wildreserven bietet. Er herrscht sehr dominant über seine Jäger und selbst sein Jagdaufseher, Ewald Schulze wagt kaum, eine eigene Meinung zu äußern, vermutlich besitzt er nicht einmal eine.
So haben wir sie nun beschrieben, die Runde, die damals wie so oft zu später Stunde in der Wirtsstube saß. Tief zogen die Rauchschwaden um den Stammtisch, die Gläser waren bereits zum wiederholten male geleert, die Minen waren diesmal ernst, fast finster: Keine Lösung war in Sicht. Während Forstmann Toni und Wirt Wolfgang eine Intensivierung der Jagd forderten, ja sogar ein sommerliches Drückjägdchen in Erwägung zogen, wollten Unternehmer Anton und Karlheinz lieber eine Jagdruhe durchsetzen, um dadurch die Erfolgsaussichten für September und Oktober zu verbessern.
Natürlich hatte dabei jeder sein eigenes Motiv im Hinterkopf, aber das sagte man nicht laut: Der Gastronom wollte natürlich seine Kühlräume gefüllt wissen, der Beamte sich dem politischen - wildschadenbedingten - Druck der Kommune beugen.
Anton und Karlheinz, die zwei gewieften Füchse hatten wiederum ganz andere Gründe, weshalb sie gerade jetzt keine großen Aktivitäten im Revier gebrauchen konnten. Sie hatten nämlich beide die starke Keilerfährte in ihren Revieren ausgemacht und rechneten sich Chancen auf eine außergewöhnliche Trophäe aus. 
Jeder hatte also seine offiziellen Argumente und seine geheimen Argumente, von denen der jeweils andere nichts wissen sollte. Als sie so einige Zeit genauso verbissen wie ergebnislos argumentiert hatten, begann die Kondition nachzulassen und die Standpunkte weichten so nach und nach auf. Der Forstdirektor war es schließlich, der theatralisch die Faust auf den Tisch poltern ließ. "Anton, du hast gewonnen", rief er, "Vier Wochen Jagdruhe ist abgemacht. Aber danach veranstalten wir einen revierübergreifenden Sammelansitz nach gemeinsamer Absprache! Und die nächste Runde Halbe zahlst du, Anton!" 
So geschah es. Einige Zeit später gingen sie schließlich mit freundlicheren Gesichtern heim. Jeder hatte das Gefühl, sich irgendwie durchgesetzt zu haben. 

Anton aber instruierte sofort am nächsten Morgen seinen Aufseher, mal nach der Fährte zu schauen und dieser bestätigte die Anwesenheit des Keilers im Revier. So verabredeten sie einen gemeinsamen Geheim-Nacht-Ansitz.
Karlheinz kontrollierte selbst die Fährte des Keilers, fand sie bestätigt und informierte umgehend seinen Chef, der augenblicklich für die Nacht einen Ansitz einplante. 
Martin Klein aber konnte sein loses Maul nicht halten und erzählte seinem Freund und Jagdaufseherkollegen Ewald Schulze von der Westjagd von der außergewöhnlichen Sau. Eine sofortige Kontrolle ergab, dass auch in diesem Revier die mächtigen Schalenabdrücke zu finden waren. Wirt Wolfgang ließ sich natürlich nicht bitten und so richtete auch er sich auf eine lange Nacht im Revier ein.
So saßen sie nun, die Zecher vom Vorabend, in gleicher Runde, nur dass sie einander nicht sahen und auch nicht sehen wollten, denn jeder wusste ja, dass er gegen sein Jagdruhe-Versprechen verstieß.
Die Nacht war lang und kalt und als der Morgen graute schlich ein jeder missmutig nach Hause. Einen Keiler hatten sie nicht gesehen.
Auch am nächsten Tag versammelten sie sich im Wald, ohne voneinander zu wissen, und am übernächsten auch. Dann bröckelte die Motivation. Einen Keiler hatten sie nicht gesehen.
Und wieder war es Martin Klein, der seine Zunge nicht im Griff hatte. Ganz im Geheimen weihte er seinen Spezl Schulze in seine nächtlichen Aktivitäten ein, erfuhr dabei, dass auch dieser nicht untätig gewesen war, beide informierten ihre Chefs und bald war ein jeder im Bilde: Alle hatten ihr Ruhegelübde gebrochen. Ein heftiger Streit entbrannte und fortan jagte jeder für sich. Jeder gegen jeden. 
Der starke Keiler? Den hat es nie gegeben! Der Pächter der Südjagd, Adalbert Gauss hatte sich darüber geärgert, dass sich die anderen absprachen, ohne ihn zu informieren. Und um ein wenig Unruhe zu stiften hatte er seine "rechte Hand" los geschickt, mit Fährtenschuhen, die mit starken Keilerschalen bestückt waren, die Reviere zu durchwandern.
Der Erfolg hatte sich prompt eingestellt, die Reviere waren untereinander gänzlich verkracht. Und die Moral von der Geschichte?


Fotopirsch im Juli

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  ^ Donnerstag 14. Dezember 2017,   KW 50,   TdJ 348     © 2000 - 2017 Jagdweb.at ^