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Im Jagdrevier - durchs Jahr gepirscht

Gedanklicher Pirschgang im Juni


Mit dem jagdlichen Erfolg im Juni ist das so eine Sache. Mein persönliches Jagdtagebuch weist in diesem Monat eine unterdurchschnittliche Anzahl von Einträgen auf. Allerdings empfindet man es in dieser Zeit oft besonders angenehm, sich im Wald zu bewegen. Nicht zu kalt und nicht zu warm, kann man sich am Abend vom anstrengenden Tagesgeschäft erholen, oder am Morgen dem üppigen Konzert der Vögel lauschend den Tag genussvoll beginnen.
Häufig ist bei den jagdlichen Erfolgsmeldungen meines Tagebuches allerdings ein Regenschauer mit von der Partie.
In der Geschichte, die ich heute erzählen möchte, weil sie in der Fülle der Eindrücke, den Hochs und Tiefs der Gefühle ausreichen würde, den ganzen Monat zu füllen, war selbst der Regenschauer kein Regenschauer, nein, es hatte zwei Tage lang nahezu ohne Unterbrechung durchgegossen!

Das hohe Gras bog sich wasserbehangen zur Erde. Die Abendsonne blitzte durch die Wolken, der warme Boden dampfte. Ein milder Windhauch schmeichelte der Haut.
Ich saß an der niedrigen Stumpenleiter im Hohr Loch, die schon immer erfolgversprechend und für manch überraschenden Anblick gut gewesen war. 
Zehn winzig kleine Zecken, die sich als todesmutige Schwadron auf meine Hosenbeine gestürzt hatten, wurden mir zur ersten Beute. Langsam konzentrierte ich mich auf die Jagd. Der Puls, der den ganzen Tag hektisch dem schnellen Takt des Tagesgeschäftes gefolgt war, beruhigte sich nach und nach. Die feuchte Luft roch herrlich nach Wald.
Vor mir, steil abfallend, fiel der Blick durch ein lichtes Ahornstangenholz hinunter auf den Bach, der sich meandernd durch den Grund schlängelte. Dahinter erhob sich, steil ansteigend am Gegenhang ein weiter Wiesenschlag. Rechts und links folgte das Auge einem grasbewachsenen Waldweg, der sich in der Ferne in einer Wegbiegung verlor. Nach hinten wälzte sich üppig ein dichter Tanne-Fichte-Bestand über den steilen Bergrücken, der von nur wenigen einzelnen Lücken durchbrochen war. Ein idealer Platz, auf dem man ständig mit Anblick rechnen "musste".
Tatsächlich dauerte es auch nicht lange, schon schob sich links ein Wildkörper ins Bild. Eine Geis trat auf dem Weg aus, mit auffallend dicker Spinne, stark im Wildpret. Zielstrebig zog sie genau auf mich zu. Ich machte mich automatisch klein auf meinem niedrigen Hocker. Zufällig entdeckte ich in diesem Moment den Grund für die Zielstrebigkeit der Ricke: Direkt vor mir lagen zwei abgelegte Kitze! Die hatte ich bis dahin gar nicht bemerkt. Au weh, wenn dass nur gut gehen würde. Ich zweifelte sehr, dass ich der Geis verborgen bleiben könnte. Nun, mir war die passive Rolle zugeteilt und ich musste still waren, wie es weiter ging. Es gab eine kurze Begrüßung als sich die Kitze erhoben. Bald folgten sie, erst steifbeinig, dann zunehmend flotter der Ricke spitz von mir weg, Richtung Bach. Ich freute mich an diesem herrlichen Bild und war erleichtert, dass sie von mir keinerlei Notiz nahmen. Plötzlich verhoffte die Geis, sicherte lange zu mir hinauf. Obwohl ich gefesselt war von dem Geschehen vor mir, bemerkte ich doch im Augenwinkel eine Bewegung rechts, ganz dicht. Nicht mir, sondern dieser Bewegung galt auch die Aufmerksamkeit der Ricke! Im Reflex drehte ich den Kopf dorthin , was natürlich dumm war, denn das nahe Reh bekam diese Bewegung natürlich mit und sprang ansatzlos ab. Im Fortrauschen registrierte ich noch: Ha, das ist der alte Gabler, dem wir schon so lange hinterher jagen. Hei, so dicht, was für eine Chance! Ich musste ihn bekommen! Die Waffe auf den Weg gerichtet hoffte ich, dass er diesen überfallen würde. Kein Auge mehr für die Geis, voll auf den Weg konzentriert harrte ich aus,
         den Finger am Abzug. Nichts tat sich. Gerade wollte ich absetzen, da sprang das Stück, ganz am Ende des Weges hinüber. Kein Verhoffen, zu schnell, ich bekam die Kugel nicht hinaus, Chance vorbei! Doch damit nicht genug. Nun begann der Bock zu schrecken, die Geis stimmte sofort mit ein und mir klang es wie höhnisches Gelächter, hast uns nicht gekriegt, Jäger...
In diesem Moment durchfuhr mich ein Riesenschrecken! Nicht ich war der Grund für das Rehkonzert. Ein Junge mit Hund tauchte auf dem Weg um die Kurve herum auf. Genau an diese Stelle hatte ich eben meine Waffe gerichtet gehabt! Mein Gott, das war nicht ungefährlich. Kritisch ging ich die Situation noch einmal durch. Hätte ich wirklich beim Schuss auf sauberen Kugelfang geachtet, oder hätte mich die Trophäe alle Sicherheit vergessen lassen? Nun, der Junge hätte sich zumindest gehörig erschreckt.
So gingen mir einige "Wenn's" und "Abers" durch den Kopf, währen vor mir die Bühne leer war. Der Junge und sein Hund waren an mir vorbei marschiert ohne mich zu bemerken. Es dämmerte als ich meine Warte verließ und mich der Wiese zuwandte. Ich war enttäuscht, weil ich dem Alten so dicht gewesen und doch ohne Beute geblieben war. So schlurfte ich durch das nasse Gras auf eine, in der Ferne erkennbare Gehöftgruppe zu. Eigentlich hätte das Erlebte ja gereicht, den Abend zu füllen, aber es war noch nicht zu Ende. Hinter dem Bauernhaus stand ein Reh im hohen Gras. Im Glas konnte ich einen schwachen Knopfer erkennen. Na, du gehörst mir, dich nehm ich mit, dache ich mir und hielt, immer die Häuser als Deckung nutzend, auf das Stück zu. Bald erreichte ich den Hof, linste, wie im Nahkampf mit bereiter Waffe um eine Hausecke und prallte fast mit dem Jährling zusammen, der die selbe Hausecke von der anderen Seite her angegangen war. Wir beide erschraken, dann stob der Bock davon, wie von Furien gejagt, dem Wald entgegen. Ich trat einen Schritt vor, ging in Anschlag. Gerade rechtzeitig, denn an der Waldkante verhoffte der Bock und äugte schreckend zurück. Es war inzwischen schon sehr dunkel und ich brachte nur mit Mühe das schwache Stück im Zielglas zusammen. Doch dann war die Kugel heraus und schlegelnd sank der Jährling ins Gras. Hei, hatte es also doch noch geklappt! Ein schöner Schnappschuss. 
Ich zuckte fürchterlich zusammen, als mitten in meine Gedanken hinein eine Stimme hinter mir brummte: "Hasch endlich mal von denne Schwarze oins derwischt?!" tönte der Bass des Bauern, der überraschend hinter mir stand. Doch ehe er sich in Wehklagen über die Schäden der Sauen in der Wiese ergehen konnte rief ich: "Nein, heute gibt es Rehleber!"
"Ah so? Des isch ah recht! Mir hen grad der Grill an. Brings Stück und dann trinke mer oiner!" lautete die Aufforderung, die einen Widerspruch ausschloß und so brach ich schnell das Stück auf und folgte dem Bauern auf den Hof, wo ich mit großem Palaver begrüßt wurde. Eine ganze Mannschaft saß dort zusammen als hätten sie nur heißhungrig darauf gewartet, dass der Jäger ihren Grill füllt. Die Stimmung war bestens und Wildschaden war plötzlich kein Thema mehr. Ich musste das Stück verblasen und ständig irgend welche Jagdgeschichten erzählen. So manche Halbe wurde an diesem Abend vernichtet. Ehe ich mich auf den Heimweg machte rief ich meine Frau zu Hilfe: Komm und hol mich. Ein wirklich abwechslungs- und erlebnisreicher Abend wars gewesen, der wohl allen Beteiligten in bester Erinnerung bleiben wird. Ein bissel Beuteerleben, ein bissel Öffentlichkeitsarbeit, ein bissel Dorfgemeinschaftspflege ein bissel Selbsterfahrung.
Der alte Gabler? Irgend wann einmal stand er am frühen Abend unten am Bach. Der Schuß war keine Kunst, das jagdliche Erleben schnell verblasst.


Fotopirsch im Juni

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  ^ Freitag 18. August 2017,   KW 33,   TdJ 230     © 2000 - 2017 Jagdweb.at ^