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Im Jagdrevier - durchs Jahr gepirscht

Gedanklicher Pirschgang im März

"Okuli, da kommen sie!"

Der Reizspruch der Schnepfenjäger.
Oder: Verknüpfungvon Jagd und Kirche

Leise kommt sie angeschlichen, viel früher als in anderen Jahren. Laue Westwinde umschmeicheln das spannungsgerötete Gesicht des Schnepfenjägers, erstes Grün lässt schon den Frühling erahnen, der Waldboden taut auf und duftet markant-moosig: Es ist die Zeit des Frühjahrsstrichs!

Lange ist es her, dass wir Jäger sie uns noch zur Beute machen durften. Den Reiz des Schnepfenstrichs sucht dennoch auch heute noch mancher Jäger. Vorbei die hektische Zeit der Herbstjagden, verblasst der Druck des ausklingenden Jagdjahres. Die jagdfreie Pause ist genug genossen, es zieht ihn hinaus, den Schnepfenjäger! Und so steht er wieder sehnsuchtsvoll und genießend an der Waldkante, den Blick gen Westen: Gefangen von der Stimmung des erwachenden Lebens, dem abendlichen Gesang der Vögel lauschend, den Sonnenuntergang erwartend, jede Minute des jagdlichen Erlebens aufsaugend. Natürlich sucht der Schnepfenjäger Venus, den Schnepfenstern, der im Westen aufleuchtet und die Spannung ansteigen lässt: Gleich wird er kommen, der Vogel mit dem langen Gesicht! Und schon kommt er, mork mork, pswit, pswit, mork, mork. Damals noch flog die Waffe an die Wange. Eine nur, eine Schnepfe sollte als Beute heraus genommen werden, wenigstens eine im Jahr. Und wenn sie stürzte begann die aufgeregte Suche. Der firme Hund hatte sie bald. Stolz trug er sie, behutsam gab er aus und der Schnepfenjäger hielt sie in Händen, diesen unglaublich schönen, zarten Vogel. Sanft strich er ihm übers Gefieder, zupfte sich als Trophäe die Malerfedern, die spitzen Federn am äußeren Flügelende, und den Schnepfenbart am Bürzel. Anerkennendes Schulterklopfen von den Jagdfreunden. Dann kam der Stecher in den Hals einer guten Flasche Wein. So stand die erbeutete Schnepfe auf dem Tisch, als Mittelpunkt des jagdlichen Gesprächs. Hin und wieder strich ihr einer übers Gefieder, sehnsuchtsvoll. Morgen würden sie wieder versuchen, sich ihre Beute zu holen.

Es ist lange her, da war die Schnepfenjagd nicht nur die stille Freude einzelner Jäger. Sie war vielmehr im Bewusstsein der Bevölkerung verankert. Viele kannten noch den Spruch des Schnepfenjägers:

Reminiscere, putzt die Gewehre.
Okuli, da kommen sie.
Laetare, das ist das Wahre.
Judica, da sind sie auch noch da.
Palmarum, Tralarum, Quasimodogeniti
Halt, Jäger, Halt! Jetzt brüten sie!

Ein seltsamer Spruch, der Schnepfenspruch. Und was bedeuten die lateinischen Worte?
Sie bezeichnen im Kirchenkalender die Sonntage, beginnend mit Reminiscere, dem zweiten Fastensonntag.
Die Sonntage werden nach den Anfangsworten des Introitus (= Eröffnungsvers der Messe) benannt:

2. Fastensonntag: Reminiscere
(Reminiscere miserationum tuarum = Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit! Psalm 25,6)

3. Fastensonntag: Oculi
(Oculi mei semper ad Dominum = Meine Augen sehen stets auf den HERRN, Psalm 25,15)

4. Fastensonntag: Laetare
(Laetare, Jerusalem = Freu’ dich, Jerusalem, Jesaja 66,10)

5. Fastensonntag - Passionssonntag: Judica
(Judica me, Deus = Gott, schaffe mir Recht! Psalm 43,1), auch schwarzer Sonntag.

Palmsonntag (Palmarum) Tralarum, an dem der Hörnerklang erschallte.

Und schließlich die Osterwoche, die mit dem Sonntag Quasimodo geniti zu Ende geht; "Wie die neugeborenen Kinder" Neues Leben auch in der Natur, es ruht die Schnepfenjagd.

So hatten sich also die alten Schnepfenjäger an den kirchlichen Sonntagsgebeten orientiert, was auf eine enge Verknüpfung von Jagd und Kirche hindeutet, und auf eine tiefe Verwurzelung in der gläubigen Bevölkerung.

Heute zählt nicht mehr der schnelle Schuss. Heute bleibt der Hund arbeitslos. Doch ungebrochen ist die Faszination des Frühjahrsstrichs. Den erwartungsvollen Blick suchend zum Himmel gerichtet, können wir heute noch diese Sternstunde erleben. Es duftet noch wie früher, der selbe milde Wind umschmeichelt und, das selbe dunkle Abendrot nimmt uns gefangen. Und noch immer blitzt Venus vom Himmel, die Spannung steigt.

Und dann jubelt es in uns still: "Okuli, da kommen Sie!"


Fotopirsch im März

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  ^ Donnerstag 14. Dezember 2017,   KW 50,   TdJ 348     © 2000 - 2017 Jagdweb.at ^