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Aufbrechen: Die Jagd als Spiegel der Gesellschaft

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Im Jagdrevier - durchs Jahr gepirscht

Gedanklicher Pirschgang im November

Vorbei die hohe Zeit der Jagd. Vorbei sind Feiste und Brunft. Das Wild ist unsichtbar geworden und bereitet sich auf den Winter vor. 
Auch das Wetter zeigt sich von seiner unliebsamen Seite. Der Nebel ist Dauergast im Revier und ein Schneeregenschauer treibt den nächsten vor sich her. Kein Mensch treibt sich im Wald herum. Auch für die Jäger ist in diesen Tagen nichts zu holen. Wenn der Wind jagt, bleibt der Jäger daheim.
Und doch gibt es einen, der schon seit Wochen dieser Zeit entgegengefiebert hat. Artur B., Bankdirektor der hiesigen Großbank freut sich schon und kann seit Tagen an kaum etwas anderes denken, als die anstehende Jagd. Nicht nur das Konto seiner Bank ist wohlgefüllt. Nein, er selbst hat es auch recht gut getroffen. Sein Stellvertreter hat die Dienstgeschäfte recht gut im Griff. Ein aufstrebender, ehrgeiziger junger Mann, den er sich geschickt ausgewählt hat. So bleibt ihm genug Zeit, seiner Leidenschaft nachzugehen, der Jagd. Das eigene Revier ist ihm allerdings schon seit einiger Zeit etwas fad geworden. Gute Trophäen sind dort nicht zu erwarten, seine zahlreichen Auslandsjagden haben ihn diesbezüglich verwöhnt. 
Heute hat er andere Pläne. Er wird sich endlich einen neuen Traum verwirklichen. Er weiß eine hochkapitale Trophäe in der Nähe, und der gilt es heute. Ein kleiner Schönheitsfehler nur, dass die begehrte Beute nicht in seinem Revier seine Fährt zieht. Artur B. sieht sich moralisch berechtigt, nach all dem, was er für die Gemeinde getan hat, steht ihm einfach auch einmal eine standesgemäße, kapitale, heimische Beute zu. 

Am heutigen Abend steht im Terminkalender ein wichtiges Geschäftsessen mit auswärtigen Kunden. Dass er das Treffen schon vor Tagen stornierte, hat er natürlich keinem gesagt. 
Früh schon verlässt er das Büro und entspannt sich zu Hause, denn die Nacht wird anstrengend werden, das weiss er. Im feinen Nadelstreifenanzug verlässt er schließlich die Wohnung. Ein Kuss für die Frau. Sie wird nicht auf ihn warten. Sie weiß, diese Geschäftsessen dauern immer ewig lange. Sie haben sich auseinander gelebt in den Jahren. Fast, dass sie froh ist, dass er heute geht. Sie wird, wie gewohnt, ein wenig fern sehen und dann früh zu Bett gehen.
Artur B. steuert zielstrebig seine Jagdhütte an. Nun treibt ihn die innere Unruhe. Eilig wechselt er den feinen Zwirn und trägt kurz darauf den dunklen Loden, den er, wie immer gut vorbereitet, in der Hütte parat liegen hat.
Bald schon rollt das Auto wieder aus dem Wald heraus. Es ist bereits dunkel, als er auf die Autobahn einbiegt und zügig die Strecke bis zum Rastplatz Ost hinter sich bringt. Dort parkt er den Wagen etwas abseits. Wenige Schritte sinds von hier nur bis zum Wald. 
Doch noch zögert er. Für sein Vorhaben ists noch reichlich früh. 
Ein Lieferwagen steht nicht weit entfernt, der ihn irritiert. Mehrere LKWs stehen weiter weg. Sie beunruhigen ihn nicht. Arme Teufel auf der Hatz ihres Tagesgeschäfts. Sie würden sich nicht für ihn interessieren. Auch an der Raststätte selbst herrscht nur müder Betrieb. Bei dem Wetter bleibt man eben zu Hause, wenn man nicht unbedingt raus muss. Eine ganze Zeit wartet der vorsichtige Jäger geduldig. Dann gibt er sich einen Ruck. Er stellt den Kragen hoch und stößt die Türe auf. Noch ein kurzer Blick in die Runde, wenige schnelle Schritte, dann hat ihn das schützende Dunkel des Waldes verschluckt. 
Artur B. hastet zunächst zügig voran. Weg vom Licht der Raststätte, dem Lärm der Autobahn. Zielsicher strebt er einem toten Baumriesen zu. Er kennt sich aus hier. Zahllose male schon hat er dem alten Sechzehnender von hier aus nachgestellt, wenn auch bisher erfolglos. Zunächst war er übervorsichtig gewesen, ständig hatte er das Gefühl im Bauch gehabt, etwas Unrechtes zu tun, sich immer beobachtet gefühlt. Doch mit der Zeit wurde er ruhiger, routinierter.  Einmal hatte er versehentlich einen Zwölfer geschossen. Im Dunkeln hatte er den Starken vermutet. Doch als er die junge, schwache Trophäe
    schließlich erkannte, hatte er sie einfach liegen lassen. Er war nicht an so etwas interessiert. Nur der Sechzehner interessierte ihn. Von den anderen hatte er selbst genug im eigenen Revier. 
Nach diesem Fehlabschuss war er einige Zeit nicht mehr im Revier gewesen. Aber als alles ruhig geblieben war, hatte er wieder begonnen, sich um seinen Hirschen zu kümmern. Die Sicherheit, unerkannt geblieben zu sein, war schnell zurückgekehrt.
Lange Zeit verhofft Artur gedeckt, dann geht er schnell auf den morschen Baum zu, kniet nieder und zieht kurz darauf ein langes Päckchen daraus hervor. Darin findet sich, fein zusammengelegt, seine Waffe, eine einschüssige, leichte Kipplaufbüchse, eine dunkle Sturmhaube und mehrere schwarze Säcke. Als er sich schließlich aufrichtet, ist aus Artur B. eine dunkle, furchteinflößende Gestalt geworden.
Wie Bindfäden fällt der Regen herab. Im weichen, nassen Laub schleicht der Wilderer, nun getarnt mit einer Sturmhaube und dunklen, feinen Handschuhen, in den Wald hinein. Zielsicher folgt er einem Wechsel, immer weiter, bis er schließlich an einer Waldkante verhofft. Vor ihm erstreckt sich eine längliche, vollständig von dichter Dickung eingeschlossene Wildwiese. Vorsichtig leuchtet er die Waldkante ab. Links steht eine Kanzel, die kennt er. Aber sie ist, wie vermutet, unbesetzt. Artur lächelt als er sich den Förster vorstellt vor dem warmen Kamin hockend, die Beine in groben Wollsocken, und den verschlafenen Hund zu Füssen.
Das Glas fährt weiter die Waldkante entlang, saugt sich schließlich an einem Punkt fest: Da steht Wild auf der Wiese! Er prüft den Wind, schleicht zurück und umschlägt die Freifläche. Einmal meint er, ein Knacken hinter sich vernommen zu haben, verhofft lange, doch als alles ruhig bleibt, pürscht er weiter, und erreicht bald wieder die Waldkante. Nun hat er das Wild näher vor sich. Deutlich erkennt er einen starken Hirsch, der vertraut äst: Kaum einhundert Meter sinds dort hinüber. Aber es ist einfach zu dunkel zum Ansprechen. Artur zögert. Aber schnell siegt die Beutelust. Heute ist schließlich sein Tag, er wird sich die Chance nicht entgehen lassen. Schnell ist die Waffe parat, spitz von vorn steht der Hirsch und als der das Haupt sichernd hebt, zuckt der Finger am Abzug und die Kugel fährt hinaus. Den Hirschen trifft ein schwerer Schlag von vorn. Wie ein Reitpferd steigt er auf und bricht dann schlagartig zusammen, schlegelt noch kurz und liegt dann ruhig.
Lange sichert der Wilderer, dann zieht es ihn hin zur Trophäe. Obs der begehrte Sechzehnender ist? Endlich tritt er ans Stück. Erleichtert stellt er fest: Ja, er ist es! Sein Herz rast, das Jagfieber schüttelt ihn. Was für Stangen, was für eine kapitale Trophäe! Fast werden ihm die Beine weich, so überwältigt ihn das Gefühl des Triumphes. Doch dann zwingt er sich zur Eile. Er zieht den Nicker und schärft mit gekonnten Schnitten sauber die Trophäe ab. Der Rest bleibt für die Sauen zurück. Er packt sich das schwere Haupt auf den Rücken und wendet sich zum Gehen, noch immer völlig überwältigt vom Erlebten. 
In diesem Augenblick realisiert er, dass er bereits einige Zeit ganz unbewusst etwas wahrgenommen hatte, mal ein Knacksen hier, mal ein Rascheln da. Und hatte vorhin nicht einmal ein Lichtchen gefunkelt? Noch verarbeitet das Gehirn die abstrakten Gedanken und eben will sich die unbewusste Wahrnehmung im Kopf zur konkreten Gefahr entwickeln, da gellt ein Schrei über das Gestell: "Polizei, Hände hoch, Waffe weg!" 
Artur B. ist völlig überrascht. Benommen lässt er sich festnehmen, begreift erst nach und nach, dass er von mehreren Personen umstellt ist. Wie im Traum folgt er den Beamten zum Dienstwagen und blickt schließlich dem Förster ins Gesicht, den er eben noch im Geiste vor dem Kamin gesehen hatte. 
Dann rollt der grüne Wagen über den holprigen Waldweg Richtung Straße. Erst viel später wird er realisieren, dass mit einem Schlag aus dem angesehenen Bankdirektor ein verurteilter Straftäter geworden ist.

Fotopirsch im November


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  ^ Mittwoch 18. Oktober 2017,   KW 42,   TdJ 291     © 2000 - 2017 Jagdweb.at ^