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Im Jagdrevier - durchs Jahr gepirscht

Gedanklicher Pirschgang im Oktober


Richtig kalt war es geworden. Nachtfröste hatten weiße Schatten auf die Blätter gezaubert. In den Talmulden waberte der Nebel. Die Sonne mühte sich redlich, schaffte es jedoch nur stundenweise, den grauen Schleier zurückzudrängen.

Der alte Zehner spürte in diesen Tagen, dass eine Veränderung in ihm vorging. Gereizt hatte er bereits vor einiger Zeit den jungen Zwölfer abgeschlagen, der ihn über die Wintermonate als Beihirsch begleitet hatte. Die Menschen nannten diesen "den Hengst" und genau so benahm er sich auch. Unbedarft, fast überheblich war der junge Hirsch aufgetreten.
Auch den Sechser, der als zweiter Beihirsch immer dabei gestanden hatte, duldete der Alte nun nicht mehr neben sich. Allein zog er jetzt seine Fährte. Unsichtbar, übellaunig, vorsichtig. 
Da kam ihm plötzlich der Duft eines Stückes Kahlwild in den Windfang. Tief sog er den Geruch ein. Dann legte er sein Haupt zurück gen Ziemer und stieß einen Schrei aus. Tief und laut, urig und hart. Er war der Chef hier im Revier!

Der Förster wusste aus langen Jahren, in denen er die Hirsche seines Reviers begleitete, dass die Brunft bevor stand. Wie ein alter Feisthirsch hatte er sich schon seit Tagen auf dieses Ereignis vorbereitet. Nun fieberte er dem Höhepunkt des Jahres entgegen. Das Wetter war ideal und er versprach sich eine aufregende Zeit. Ein guter Zwölfer stand im Revier. Er war vielleicht noch etwas jung. Ein- bis zwei Jahre sollte er noch reifen. Aber er war vielversprechend.
Und dann war da noch dieser verhexte alte Zehner. Heimlich, fast unsichtbar zog dieser seine Fährte durchs Revier, übervorsichtig. Armdicke, kompakte Stangen ohne Kronen. Der Förster schmolz dahin. Diesem Hirsch galt es! Bereits im letzten Jahr hatte er alles daran gesetzt, den reifen Hirsch zu erlegen. Mit großem Risiko war er sogar eine Kugel auf ihn los geworden. Zu dunkel wars gewesen, zu weit für den Schuss auf den ziehenden Hirsch, aber er hatte es aus Ungeduld "mit Gewalt" versucht. Und dann hatten Sie den Hirsch trotz intensiver Nachsuche nicht bekommen! Das nagte an dem Forstmann. Lange Zeit war der Zehner verschollen gewesen, aber jetzt stand der Hirsch wieder im Revier. Er wusste es genau! Gesehen hatte er ihn noch nicht, aber drüben, an der dicken Buche stand seine Fährte wie gemalt im Sandbett. Die runden, mächtigen Schalen hätte er aus Dutzenden anderer herausgekannt. Kein Zweifel: Er war es. Der Hengst stand bei ihm und ein junger Sechser der im letzten Jahr noch Spießer gewesen war. Ihn würde er auch noch weg nehmen. Vielleicht nach der Brunft.
Zusammengekauert saß der Mann auf der kleinen Kanzel und hing seinen Gedanken nach. Erstes Grau kündigte den herannahenden Morgen an und ließ erste schwache Konturen auf der verlassenen Fläche vor ihm erahnen.
Plötzlich riss es den Förster hoch: Ein gewaltiger Schrei donnerte durch den nächtlichen Wald. Die Brunft war eröffnet!

Der Sechser hatte sich dem Kahlwild angeschlossen, nachdem er bei den starken Hirschen nicht mehr willkommen gewesen war. Dort wurde er geduldet und das erfahrene Leittier bot ihm eine gewisse Sicherheit. Er mochte nicht alleine ziehen. Auch der Sechser nahm diesen merkwürdigen Duft wahr, der ihm verführerisch in die Nase kam. Aber dieser Duft war trotz aller Verlockungen verbunden mit großer Furcht, denn instinktiv spürte er den alten Hirschen in der Nähe und von diesem ging eine Gefahr aus, der er sich nicht entgegenzustellen wagte.

Anders der Zwölfer. In diesem Jahr wollte der es wissen. Er barst schier vor überschäumender Kraft und fühlte sich als wahrer Herrscher über den Brunftplatz. Stürmisch zog er auf das Alttier zu, bedrängte es und versuchte, es aus dem Rudel zu lösen. Da traf ihn der markerschütternde Schrei des Zehners. Der Hengst verhoffte und wandte sich der Waldkante zu. Da stand, fast unsichtbar im Schatten der Randbäume, die Silhouette des starken Hirsches. Der rammte erregt das Geweih in den Boden, dass die Grasbüschel flogen. Zornig schrieen sich beide Hirsche an, zogen drohend aufeinander zu. 

Der Förster hatte seinen ersten Schrecken überwunden und längst das Glas vor den Augen. Seine Hände zitterten vor Spannung. Dennoch erkannte er nun schemenhaft Kahlwild rechts auf dem Schlag. Ein junger Sechser stand dabei. Nervös zog der hin und her. Seine Unruhe übertrug sich auf das Rudel und sie verriet dem Förster die Nähe weiterer Hirsche. 
   Und richtig: Von links zog zügig ein Schatten heran. Ein Hirsch! Obwohl der den Kopf gesenkt hielt, erkannte der Förster den Hengst sofort. Ohne Zögern zog dieser auf das Kahlwild zu, bedrängte selbstbewusst ein Alttier. Der Jäger war enttäuscht. Offensichtlich war der Zwölfer der Platzhirsch hier. Hatte er sich doch getäuscht? War der Zehner gar nicht im Revier? 
Da donnerte, ganz nah, der Schrei eines Hirsches über den Brunftplatz. Kein Zweifel, das musste der Alte sein! 
Das Glas strich aufgeregt die Waldkante auf und ab. Nichts zu erkennen. Dunkel lag der Wald. Doch da fand der suchende Blick eine Bewegung, saugte sich fest und richtig: Ganz schwach war ein Hirsch auszumachen. Und schon ging es richtig los. Beide Hirsche schrieen sich an, zogen aufeinander zu. Dann krachten Geweihe aufeinander, die Hirsche kämpften! Es war ein ungleicher Kampf, der nicht lange dauerte. Der Alte hatte nicht mehr die Schnelligkeit vergangener Tage. Eine Verletzung, die ihm im letzten Jahr der Mensch beigebracht hatte, hinderte den Zehner zusätzlich. Mit Blitz und Donner war überraschend der Schmerz in sein Genick gefahren und er hatte lange gebraucht, diese Wunde auszuheilen. Nun spürte er wieder diese Steifheit im Genick. Ungestüm stürzte ihm der Zwölfer entgegen. Ein schwerer Forkelhieb traf ihn in der Flanke und riss eine lange Wunde, die heftig schweißte. Nein, der Gewalt des Jüngeren konnte er nicht widerstehen. Er wandte sich ab und flüchtete in den Wald. Der Zwölfer folgte ihm nicht weit. Siegessicher schrie er seinem Rivalen noch einmal hinterher, dann wandte er sich stolz dem Kahlwild zu.

Der Zehner zog zügig die Waldkante entlang, fort vom Schauplatz seiner Niederlage. Die nahe Dickung war sein Ziel. Er würde nun gänzlich unsichtbar werden. Andere beherrschten nun das Geschehen.
Eben hatte er die Dickungskante erreicht, verhoffte noch einmal sichernd und wollte gerade weiter ziehen, da traf ihn ein heftiger Schlag, der ihn fast aus dem Gleichgewicht warf. Mit riesigen Fluchten sprang er in die Dickung. Doch der Boden fühlte sich plötzlich weich an, seine Läufe gehorchten nicht mehr seinen Befehlen. Im Bogen erreichte er wieder die Waldkante, da wurde es dunkel um ihn und er verschwand im Nichts.

Der Förster starrte gespannt auf die Fläche. Langsam hatte sich der Dunkelschleier gelichtet. Deutlich konnte er inzwischen die beiden kämpfenden Hirsche ansprechen. Schnell war klar, wer als Sieger aus diesem Kampf hervor gehen würde. Der Zehner schweißte bereits mächtig. Da entschloss sich der Förster zum Schuss. Auf und ab ging der Kampf, dann wandte sich überraschend der Zehner ab und flüchtete in den Wald. Der Zwölfer folgte ihm nicht weit, sondern drehte sofort wieder Richtung Kahlwild ab. 
Schon glaubte der Jäger seine Chance sei vertan, da bemerkte er den alten Hirschen an der Waldkante. Der verhoffte vor der Dickung und sicherte herüber. Blitzschnell zuckte der Zielstachel Richtung Blatt, dann ging die Kugel auf die Reise. Der Hirsch zeichnete deutlich, sprang mit einer Riesenflucht in Deckung. Es prasselte, dann tauchte der Hirsch überraschend wieder auf und brach am Waldrand zusammen, wo er nach kurzem Schlegeln still lag.

Nun überkam den Forstmann ein heftiges Schütteln. Er vergrub sein Gesicht in den Händen und ließ sich vom Hirschfieber beuteln. Nach wenigen Minuten fasste er sich, baumte ab und ging bedächtig auf den am Boden liegenden Hirschen zu. Den Hut in der Hand trat er ans Stück, ergriffen von einer seltsamen Traurigkeit, die mit der heftigen Freude über die erfolgreiche Erbeutung rang.
Er sank ins Gras, begriff die gewaltigen Stangen, das graue Gesicht des Alten, roch die strenge Brunftwitterung und sann dem Erlebten hinterher. Was hatte der Hirsch alles erlebt in den vielen Jahren?! Wie schwer hatte er es dem Jäger doch immer wieder gemacht. Wie spannend war es mit diesem Hirsch im Revier gewesen!
Versunken in seine Gedankenwelt saß der Forstmann im Gras, hatte alle Zeit vergessen. Er bemerkte nicht, dass es längst heller Tag war. Unbewusst registrierte er das Singen der Vögel. Der Schuss hatte nur für einen Moment das Leben im Wald erstarren lassen, hatte das Vogelkonzert nur kurz unterbrochen. Längst hatten die Waldbewohner die Störung vergessen. Er würde nie vergessen.
Der Förster raffte sich auf und begann mit der roten Arbeit.


Fotopirsch im Oktober


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