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Im Jagdrevier - durchs Jahr gepirscht

Gedanklicher Pirschgang im September

Jäger Hubertus ist müde. Der Geschäftsführer einer gut gehenden, mittelständischen Bauunternehmung sitzt über einem Vortrag, den er am nächsten Tag als Hegeringleiter zum Thema "Waidgerechtes Jagen, Ethik, Tradition und Jagdmoral" halten soll. Aber so recht will ihm der Text nicht aus der Feder fließen. Natürlich, jagdliche Tradition findet er gut, ihm ist der Begriff "Waidgerechtigkeit" noch selbstverständlich. Er lernte das Jagen schließlich noch von seinem Vater, einem "handgestrickten" Jäger alter Schule, der sogar noch das Rehwild nach dem Alter anzusprechen in der Lage war. Aber die Argumente, die ihm für seine Rede einfallen, sind wirklich nicht spannend, werden bestimmt keinen mitreißen.
Leise summend wirft sich das Laptop auf dem Schreibtisch zwischen seine Gedanken.
Es erinnert ihn daran, dass in drei Tagen Vollmond ist. Seine jagdlichen Aktivitäten hat er perfekt ausgeklügelt. Der Computer meldet ihm Wind, Temperatur, Mondstand und Sonnenscheindauer vollautomatisch! Das hat natürlich große Vorteile, denkt sich Hubertus: Er kann seine beruflichen Termine perfekt auf den optimalen Jagdtag abstimmen, sitzt nicht unnötig im Revier herum. Effizientes Jagen eben. Und er kann bei der Wahl des Hochsitzes die witterungsbedingt günstigste Einrichtung wählen. Früher taten sich die Jäger da doch schwer. Mancher Ansitz wurde verdorben, weil die Instinkte für das Jagen schlicht verloren gegangen sind. Wer achtet heut beim Jagen noch auf den Wind?
Drei Tastenklicks weiter kontrolliert er schnell die Aktivitäten an der Kirrung: Sein "unsichtbarer Jagdaufseher", ein Handy, hatte an der Fütterung sekundengenau gemeldet, 
wann, wo Sauen da gewesen sind. Die aufgeschaltete Digitalkamera hatte allerdings nur unzureichend gute Bilder geliefert. Stirnrunzelnd stellt er fest, dass hier noch erhebliches Entwicklungspotenzial vorhanden ist.
Entschlossen klappt er das Laptop zu. Ein Blick auf seine wasserdichte, mit extra großen Zeigern ausgestattete Armbanduhr, die - der Werbung nach - in der Nacht gleichbleibend gute Ablesbarkeit haben sollte, sagte ihm: Es wird Zeit, er muß sich sputen. Ein Blick in den Kofferraum: Ja, alles da. Wohlgefüllt der geräuschlose Pirschrucksack, der keine Kratzer an der edlen Waffe hinterlassen würde. Schweißeinlage, superhelle LED-Wildfinder Taschenlampe, die vom Wild kaum wahrgenommen wird; das Jagdglas mit aufwendiger Prismenvergütung, ein Geschenk seiner Frau zum letzten Geburtstag hatte sich schon vielfach bewährt; das Nachtsichtgerät der dritten Generation, leider auf Grund des Zusatz-UV-Scheinwerfers etwas schwergewichtig, aber unerlässlich um bei völliger Dunkelheit sauber ansprechen zu können; das Infrarot-Wärmesuchgerät, um nach dem Schuss das Wild leichter finden zu können,
   der Entfernungsmesser, der leider nur bei ausreichendem Licht zufrieden stellend arbeitet, verschiedene kleine Fläschchen mit Sprühanis, Maisöl und einem patentierten, mehrfach ausgezeichneten multifunktionalen Wirkstoff mit anhaltender Wirkung, und nicht zuletzt sein ganzer Stolz, ein 300-Lagen-Damast-Jagdnicker mit eingebauter LED und neuartigem Hosen-Clip, der ganz ohne sichtbare Verschraubung auskommt. Na ja, selbstverständlich noch das selbstaufblasende Sitzkissen, eine Decke, ein superklein faltbarer Regenschirm und allerlei kleiner Krimskrams.
Entspannt lässt er sich auf dem ledergepolsterten Sessel seines Geländewagens nieder. Ein Schmunzeln überzieht sein Gesicht, als er die Daten in sein Navigationsgerät eingibt: Dieser Geländewagen ist wirklich ein High-End-Gerät. Nichts in der Welt würde ihn hindern, mit diesem Wagen bis ans Ende der Welt vorzudringen!
Sanft regelt der Speed-Limiter auf der Autobahn bei 250 km/h die Geschwindigkeit ab. Ist auch vernünftig, bei diesem Verkehrsaufkommen nicht allzu schnell zu fahren. Er möchte so schnell als möglich ins Revier, aber Jagen hat ja auch etwas mit Ruhe zu tun und so beugt er sich denn dem Diktat der Massen, die alle irgend wohin eilen.
Ausfahrt West, er hat das Revier erreicht. Ah, welche Wohltat, diese Ruhe! Entspannt parkt er den Wagen in der, von seinem Jagdaufseher extra dafür freigeschnittenen Bucht. Das teure Blech moderner Autos verkratzt halt allzu leicht. 
Nach wenigen Schritten hat er die Kanzel erreicht. Konzentriert richtet er sich ein: Nachtsichtgerät und Scheinwerfer kommen in die Halterungen an der Kanzelbrüstung, das Telefon wird an die Außenantenne angeschlossen, Sitzkissen, Decke, Taschenlampe, alles kommt an seinen Platz. 
Er lehnt sich zurück. Ahh, welch ein Genuss, das ist doch Entspannung pur! Diese Luft, diese Aussicht! Ein Blick in die Runde, die Bühne ist leer. Die Sauen kommen ohnehin erst gegen 21.00 Uhr, das weiß er aus den täglichen Handyberichten.
Er klappt das mitgeführte Laptop auf und beginnt - er ist gewohnt, effizient mit seiner Zeit umzugehen - zu schreiben. Bis etwa 20,45 ist er in seine Arbeit vertieft, dann klappt er entschlossen das Laptop zu, ist zufrieden: seine Rede ist im Kasten. Sie handelt vom Glück, jagen zu dürfen, vom Erleben der Natur, vom sauberen Ansprechen und vom Miteinander von Wald und Wild. Das wird gut ankommen im Hegering.
Kurz darauf kommen die Sauen. Dank der hohen Dämmerungszahl seines mehrfach vergüteten Dachkantprismenglases kann er sie zweifelsfrei als Bache mit Frischlingen ansprechen. So bleibt die Kugel im Lauf . Später, auf der Heimfahrt lächelt er zufrieden. Sicher, er ist ohne Beute geblieben. Alle Technik ist halt nicht perfekt und so bleibt Jagd halt immer noch Jagd, und das macht doch den Reiz aus, oder?


Fotopirsch im September

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  ^ Mittwoch 18. Oktober 2017,   KW 42,   TdJ 291     © 2000 - 2017 Jagdweb.at ^